Mittwoch, 6. März 2013
Umzug
Dieser Blog zog um nach http://www.ingo-in-china.de



Freitag, 8. Februar 2013
Countdown zum Frühlingsfest
Die Wasserkühlungs-Simulation hab ich nun halbwegs hinbekommen. (es erstaunt mich, wie gut Wasser offenbar kühlen kann!) Viele Sachen wurden aber noch nicht bestellt. Nach den Ferien kann ich mit dem Aufbau des Lasersystems beginnen, hoffentlich bald darauf auch die Frequenzen der Laser gut stabilisieren – das eigentliche Vakuumsystem wird noch einige Zeit auf sich warten lassen.

In der letzten Zeit war ich mit ein paar andern mal wieder im „Volksmassen-Fisch-mit-Sauerkraut“-Restaurant. (Volksmasse ist auch der chinesische Name von Volkswagen VW) Hier gab es etwa Entenleber und ein paar Dinge, die ich mir nicht gemerkt habe.

Heute Abend werde ich mit dem Nachtzug nach Hangzhou fahren, und am nächsten Morgen mit dem Bus weiter nach Xinchang, einer Stadt im Verwaltungsgebiet von Shaoxing in Zhejiang gleich südöstlich von Hangzhou und südwestlich von Shanghai, um mit der Familie eines Freundes das chinesische neue Jahr zu verbringen. Am 19.2. wird es bei mir dann mit der Arbeit weitergehen.


Die Hefei-Süd-Busstation in der Reisewelle zum Frühlingsfest. Hier sind zwar schon einige Leute, aber nicht übertrieben viele. Alles lief geregelt ab

Außerdem habe ich gestern den ersten Schnee in Hefei gesehen. (den Schnee an Weihnachten habe ich verpasst)

Bei mir in der Nähe gibt es nun viele Verkaufsstände für Feuerwerkskörper, und auch für „Spruchpaare zum Frühlingsfest“ (春联, chūnlián). Auf ihnen stehen Glückssprüche, sie sind meistens rot-golden gehalten und sie werden an der Eingangstür aufgehängt. Wenn ein Verwandter starb, können sie in Nordchina aber auch grün sein. Einer chinesischen Sage zufolge erschreckt die Farbe Rot den bösen Drachen (einen der wenigen inmitten der vielen guten) Nian, dessen Name auch „Jahr“ bedeutet. Um ihn vom Menschenfressen abzuhalten, soll er auch mit Feuerwerk und Böllern vertrieben werden.








Echte Chinaböller. Wenn ich eine Ahnung von Böllern hätte und sie ausprobieren würde, wäre ich wahrscheinlich von ihnen begeistert

Es ist außerdem Tradition, das Schriftzeichen für „Glück“ (福, fú) verkehrt herum aufzuhängen, da „umdrehen“ (倒, dào) genauso ausgesprochen wird wie „ankommen“ (到, dào) – das Glück ist also angekommen. (und übrigens wird es auch wie der „Weg“ (道, dào) aus dem Taoismus ausgesprochen, das hat aber wohl nichts zu bedeuten)


Zwei umgedrehte Glücks und ein (halbes) Spruchpaar

Am 3.2. oder am 4.2. (unterschiedliche Traditionen in Nord- und Südchina) war außerdem das „Kleine Neujahr“. Dieses ist der eheste Anlass zum gemeinsamen Familienessen neben dem Abend vor dem Neujahr am 9.2. und dem Laternenfest am 15. Tag des neuen Jahres, das in diesem Jahr auf den 24.2. fällt. Mit Letzterem sind die ganzen Neujahrs-Feuerlichkeiten dann endgültig abgeschlossen.



Montag, 28. Januar 2013
Jiaozi etc., Chunyun reloaded, Weltweite Luftverschmutzung, Ausländer ...
Was ist passiert in der letzten Woche (Vorsicht, Roman): zunächst hake ich mal das Essen ab, ich war ich mal mit einigen “Quantum Memory”-Leuten in der “Chongqing-Zehntausend-Freunde-Nudelhalle”, etwas zwischen Fressbude und kleinem Restaurant in der Restaurantstraße am Südwestende meines Campus. Im Prinzip nichts Besonderes, es hat mir aber geschmeckt und ich kenne einen Platz mehr, zu dem ich bei etwaigem Nudelhunger gehen könnte!

Mit meinem Tandempartner war ich noch in einer “Mensa” am Nordende meines Campus, wo man für 30 Yuan (etwa 3,50 Euro) vom Buffet so viel essen kann, wie man will. War ganz gut. Hier gehen vor allem Professoren hin, und davon auch nur sehr wenige. Außerdem gab er mir ein kleines, schönes, rotes Büchlein – nein, es ist nicht die Mao-Bibel, sondern es heißt “Chinesische Fabeln und alte Geschichten”:



Ich lud die drei Mit-Masterstudenten meiner Gruppe zu mir zum Kosten von Kakao, Plätzchen, Salami und ein bisschen Parmesan ein. Alle konnten entgegen gewisser Vorurteile Kuhmilch gut vertragen! Vor Kurzem waren wir auch inklusive unseres Professors und eines Doktoranden aus Beijing im Halb-Nobel-Restaurant “Jiangnan-Frühling” (Jiangnan ist die reiche Gegend am Unterlauf des Jangtse). Letzterer wird ab nach dem Neujahrs-/Frühlingsfest zunächst Teil unserer Gruppe sein – wie lange, steht wohl noch nicht fest.

Mein Mitbewohner machte mit seiner Freundin vor Kurzem u.a. seine genialen Knoblauchsprösslinge (sieht etwa wie eine dünne grüne Bohne aus) – ein offenbar oft in China gegessenes Gemüse, das auch sehr billig ist. Und etwa gekochte Lotoswurzeln, an die ich mich schon gewöhnt habe: http://de.wikipedia.org/wiki/Lotuswurzel (unterstes Bild) Nun sind die beiden erst mal für eine Woche in Shanghai.

Gestern machte meine Mitbewohnerin seit Längerem mal wieder Jiaozi – was sie, ich hatte es schon mal erwähnt, als aus Shandong Stammende natürlich besonders gut kann. Das sieht dann so aus:


Man schnibbelt die Füllung her, legt sie in die Jiaozi-Teigblätter, formt das Ganze (das ist das Schwierigste) und kocht sie


Die Füllung ist ziemlich variabel und beinhaltete in diesem Fall etwa Knoblauch-Schnittlauch http://de.wikipedia.org/wiki/Knoblauch-Schnittlauch

Das ist auch das Gericht, was so gut wie jede chinesische Familie am Abend des 9.2. zubereiten wird. Sie sagte mir, dass es die Tradition gibt, an diesem Abend vegetarische Jiaozi zu essen, da die Leute früher oft nicht genug Geld für Fleisch hatten. Am besten etwa mit Chinakohl, brassica rapa pekinensis (白菜, báicài), da er so ähnlich ausgesprochen wird wie “hundert Reichtümer” (百财, bǎicái). Oder Blätterkohl, brassica rapa chinensis (青菜, qīngcài), da er so klingt wie “regelmäßiger Reichtum” (勤财, qíncái). Die Form der Jiaozi ist auch die des alten chinesischen Geldes. Meistens werden Jiaozi gekocht, sie können aber auch angebraten (öfters etwa in Qingdao) oder gegart werden. Hier in Hefei sehe ich öfters Jiaozi-Restaurants als in Hangzhou, das liegt vielleicht aber auch an meinen nun verbesserten Chinesisch-Kenntnissen.

Ich schreibe nun viel übers Essen, obwohl ich mir übers Essen nicht wirklich viele Gedanken mache – es ist aber meine Hauptbeschäftigung neben ins Buero gehen und schlafen ….. ;-) Nun zum Nicht-Ess-Teil: Traditionellerweise geht der Spring Festival Rush (春运, chūnyùn) von 15 Tagen vor bis 25 Tagen nach dem Frühlingsfest. (weitere Informationen für Interessierte: http://www.travelchinaguide.com/china-trains/spring-festival-rush.htm) Damit begann er in diesem Jahr am 26.1., und er wird bis zum 6.3. anhalten. Es dürfte wie gesagt die größte Menschenbewegung des Jahres auf dem Globus sein, und somit werden Zugtickets etc. am liebsten weit im Voraus gekauft – am besten über das Internet, was seit Kurzem möglich ist. Bei der chinesischen Zug-Website blick ich aber noch nicht wirklich durch. Es gibt, diese Thematik betreffend, auch die Filmkomödie Lost on Journey http://en.wikipedia.org/wiki/Lost_on_Journey (mit einem derzeitigen Nachfolger). Bald werden also praktisch (fast) alle Wanderarbeiter, Studenten und sonstige wieder zu Hause aufgeräumt sein. Mir wurde von einigen prophezeit, dass es schwer sein wird, Essen auf dem Campus zu finden – davon gehe ich auch aus. Mindestens eine Mensa ist ab heute geschlossen, und nun, da die Prüfungen vorbei sind, sah man am letzten Wochenende viele Studenten mit Rollkoffern davoneilen. Es wird schon deutlich leerer – nun bleiben vor allem noch die “graduate students”, die zumindest in meinem Umfeld größtenteils in einer Woche nach Hause fahren. (keiner meiner Kommilitonen, die ich kenne, kommt aus Hefei) Was ich genau zu dieser Zeit machen werde, habe ich mir noch nicht so genau überlegt!

Angesichts der kürzlich extremen Luftverschmutzung in Nordchina habe ich etwas recherchiert in der Hoffnung, einen vernünftigen Luftverschmutzungs-Vergleich zwischen chinesischen, europäischen und amerikanischen Städten zu finden. Ich habe leider nichts wirklich Zufriedenstellendes gefunden, nur eine weltweite Karte der NASA, die die Konzentration von Partikeln unter 2,5 Mikrometern in der Luft angibt: http://www.wired.com/wiredscience/2010/09/nasa-maps-global-air-pollution/ Natürlich wird Luftverschmutzung im Sinne der Existenz von lebensschädigenden Stoffen in der Luft (ja, ich weiß diese Konstruktion klang bürokratisch …..) nicht nur vom Menschen hervorgerufen, sondern tritt auch natürlich auf. So ist die “Luftverschmutzung” (Wüstenstaub) in der Sahara und in der arabischen Wüste sehr hoch, obwohl es dort wirklich keine echte Industrie gibt – höher als in Deutschland! Überraschend fand ich auch, dass die Luftverschmutzung in Deutschland insgesamt über der in den USA liegen soll. Das Herz der bösen Luft sozusagen ist aber in Nordchina – mit einem südwestlichen Ableger, bei dem ich mal auf Sichuan tippen würde. Hier dürfte die Luftverschmutzung weniger natürliche Ursachen haben. Ich hoffe, dass die Chinesen einen guten Kompromiss zwischen Reichtum/einem guten Lebensstandard und Umweltschutz (der ja auch Einfluss auf den Lebensstandard hat – es ist ja alles andere als schön, wenn die Regierung von Beijing einem ständig rät, draußen keinen Sport machen zu sollen oder gar nicht erst hinauszugehen?) finden können …..

Okay, wieder kleinere Themen: ich wollte ein ruhiges Cafe in Hefei suchen – es war aber eine dumme Idee, das am Samstagnachmittag im Gebiet um die Fußgängerzone zu tun.


Jangtse-Mitte-Straße in Westrichtung


Jangtse-Mitte-Straße in Ostrichtung


Markt für Essen


Markt für Kleidung








Im Hintergrund eine Kirche

Ich soll mir nun Gedanken zu möglichen Experimenten zum Magnetismus in ultrakalten Quantengasen machen. Ich finde das interessant, es ist nicht der normale Aufbau von Standardsachen, die viele davor auch gemacht haben. Außerdem sollten wir überhaupt ein Paper von Immanuel Bloch lesen, einem erfolgreichen Physiker der LMU in Garching. Es ist lustig, ans andere Ende der Welt zu gehen und dann doch nur lernen zu sollen, was die Leute in München so treiben. Überhaupt scheint es im Gebiet der ultrakalten Atomphysik besonders viele Deutsche zu geben – auch solche, die nun in den USA forschen. Unser Vakuumsystem ist praktisch fertig – ich habe nur noch das Problem, dass ich die Wasserkühlung eines Stahlrohrs ausrechnen/simulieren/testen soll, und ich weiß nicht, wie schnell ich das hinbekomme. Ansonsten habe ich noch eine Zusammenfassung all dessen gemacht, was ich bisher gemacht habe.

Ein Ausländer, der seit 8 Jahren in Hefei lebt, meinte zu mir, dass derzeit 8000 Ausländer in Hefei leben würden. Damit wären dann etwa 0,14 % der Leute in Hefei Ausländer. Vor 8 Jahren waren es noch 2000 Ausländer. Touristen kann man getrost vernachlässigen. Von den heutigen Ausländern sind die Hälfte praktisch nicht unterscheidbare Koreaner, Japaner, Taiwanesen, Philippiner, Malaien … Von der anderen Hälfte der “offensichtlichen Ausländer” sind 3000 nur vorübergehend hier, und etwa 1000 praktisch dauerhaft. Ich gehöre zu den vorübergehenden.