Gassengewirr, Fisch mit chinesischem Sauerkraut, und Karaoke
Nun sitze ich hier Zuckerrohr (das oft in ganzen Rohren bei Obstläden steht und dann vom Verkäufer direkt gehackt und geschält wird; in diesem Eintrag wird überhaupt viel von Essen die Rede sein) kauend und ausspuckend am Blog schreiben. Zur letzten Woche:

Zunächst hab ich schändlicherweise erst vor kurzem an einem nebligen Abend ein nettes Gassengewirr gleich südlich meines Campus entdeckt. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass das Gebiet meines Campus in Hefei eine Art Grenze darstellt. Nördlich davon gibt es eher hohe urbane Bürotürme und die reichere Innenstadt, südlich davon wird es teilweise schäbig. Dort gibt es auch mehr Ansammlungen von Grillständen, und eben solche nette dunkle enge Gassen (mit am Anfang vielen kleinen Restaurants, Läden etc., später dann nur noch Hauseingänge). Hier einige Bilder:


Kann die Atmosphäre nur unzureichend widergeben


Hier kam ich wieder hinaus zu einer Hauptstraße


Links ein Restaurant, rechts ein Schnapsladen


Nächtliche neblige Hauptstraße I


Nächtliche neblige Hauptstraße II


Erhöhte Straße vor meinem Campus-Westtor bei Tag


Erhöhte Straße vor meinem Campus-Westtor bei Nacht


Das große Gebäude links ist mein Mikrophysik-Gebäude am Südende meines Campus. Die beiden Türme rechts sind die 瀚海星座-(großes Meer-Sternenkonstellation-)Gebäude gleich außerhalb des Campus. In letztere werde ich vielleicht ab Juli ziehen, da dann der brütend heiße Sommer Einzug gehalten haben wird, meine Wohnung keine Klimaanlage hat und mein Mitbewohner ab etwa dieser Zeit auch seine Doktorarbeit in Shanghai fortsetzen wird


Der Name spricht für sich


Meine neue chinesische Lieblingsspeise: Fisch mit „chinesischem Sauerkraut“ aka 酸菜鱼, eine – natürlich – Spezialität aus Sichuan. Fischstücke schwimmen hier in scharfer Suppe. Das gibt es hier komischerweise öfters, ich bin wohl nicht der einzige Mensch in Hefei, der das gerne isst. Die ersten etwa 2x habe ich es auch in Hangzhou gegessen, allerdings war mir damals der Name entfallen


Oben links sind schwarze, etwas glibbrige „tausendjährige Eier“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Tausendj%C3%A4hrige_Eier), an deren Geschmack man sich finde ich erst einmal gewöhnen muss, die ich aber inzwischen sehr gerne esse (wie ja seit längerem schon Tofu); unten links ein Gericht mit Erdnüssen und Lammfleischstückchen u.a.; rechts ein Reisbrei, auch mit kleinen tausendjährigen Eierstücken – das einzige nicht so tolle


Eine spezielle Art von Nudeln am Grill (合粉)


Typische (kleinere) Auswahl an Grillspießen (hat in diesem Fall aber nicht so gut geschmeckt)


Das erste wirklich authentische Grillbild meiner Blogs. Es gibt einige Stände, die Fleisch-, Fisch und Gemüsestücke am Spieß auslegen (aber auch größere Fleischstücke oder eine ganze große Aubergine; oder Austern). Man kann sich das Essen seiner Wahl in eine Schale legen, übergibt sie den Grillmeistern, setzt sich und wartet, bis es fertig ist. Diese Stände machen abends auf und grillen teilweise bis tief in die Nacht hinein – je nach Kundschaft. Sie sind aber eher dreckig und werden von einigen Chinesen daher grundsätzlich gemieden. Aber ziemlich urig

Eine Art „Heimatgrill“ wie in Hangzhou habe ich hier noch nicht, allerdings habe ich die ganzen Grilllokalitäten südlich meines Campus noch nicht systematisch ausprobiert.

Dann war ich in letzter Zeit noch 2x mit andern im KTV (Karaoke-TV, also Karaoke), darunter zum ersten Mal nur mit Chinesen, und überhaupt die ersten Male in Hefei. Ich habe es früher schon einmal erwähnt: KTVs in China sind nicht mit denen in Deutschland vergleichbar. KTVs ähneln oft eher Palästen. Man mietet sich mit seinen Freunden einen separaten Raum für eine bestimmte Zeit und singt nicht vor Fremden (überhaupt sind z.B. WG-Parties, bei denen man zum großen Teil Fremden über den Weg läuft, in China meines Wissens nach eher nicht existent; man bleibt tendenziell unter sich). Dabei ist ziemlich viel Alkohol geflossen, das liegt aber an den Leuten, mit denen ich aus war, und ist bei weitem nicht grundsätzlich so. Und es wurden mir mittendrin Hühnerfüße aus der Plastikpackung angeboten – ich habe das also nicht nur als Mitbringsel nach Deutschland gebracht, das wird hier auch wirklich, ab und zu, gegessen! Ich finde, dass Chinesen, Männer wie Frauen, oft sehr gut singen können, und zwar hauptsächlich sehr gefühlvolle Lieder, die in China am populärsten sind und am weitesten verbreitet.

Bis jetzt kann ich nur die chinesische Nationalhymne (leider auch nicht mehr so perfekt) und „Zwei Tiger“ singen (zu der Melodie von „Bruder Jakob“), letztere direkt übersetzt:

Zwei Tiger, zwei Tiger,
Rennen so schnell, rennen so schnell,
Einer hat keine Ohren,
Einer hat keinen Schwanz,
Sehr komisch, sehr komisch.

:-) … Beide sind aber leider nicht sonderlich KTV-tauglich.

Ich habe mich dennoch etwas am Singen versucht (an englischen Liedern), allerdings eher in einer kläglichen Weise. Ich kenne nicht einmal die Namen der bekanntesten Lieder, da ich singbare Lieder eigentlich nie höre. Metal und Techno kommen da schlecht an … Nun muss ich aber definitiv einige Lieder lernen, bis jetzt habe ich bei mir zu Hause nur ein paar von Linkin Park geübt und z.B. „Hey Ya“ von OutKast. Sind aber auch nicht so die klassischen gefühlvollen Lieder. Bis jetzt habe ich leider auch nicht (von Männern gesungene – von Frauen schon eher) chinesische Lieder gefunden, die mir wirklich gefallen, außerdem braucht es natürlich Zeit, sie zu lernen, aber ich habe – mal wieder – den festen Plan, mich weiter umzuhören und welche zu lernen!

Bevor ihr aber denkt, ich wäre in der letzten Zeit nur in KTVs, an Grillständen und in dunklen Gassen unterwegs gewesen, dann muss ich dem entgegenhalten, dass ich auch gelernt habe. Gerade schreibe ich anlässlich eines in den nächsten Tagen anstehenden mündlichen Berichts eine Zusammenfassung dessen, was ich in den letzten Monaten gemacht habe. Ich kann mich nur dem Schlusssatz des letzten Eintrags anschließen und hoffe, dass wir unsere größere Vakuumteil-Bestellung und ein paar andere kleinere Sachen noch vor dem Frühlingsfest hinkriegen werden – dafür bleiben uns noch knapp 2 Wochen.

Ich bin in letzter Zeit außerdem dazu übergegangen, im Büro anstatt heißem Wasser und Instant-Kaffee (solche heiße Wasser-Maschinen gibt es ja überhaupt ziemlich oft, so in der Uni und in Zügen; mit diesen kann man sich etwa auch die – ursprünglich aus Japan stammenden – „bequemen Nudeln“ zubereiten, die ich aber nicht wirklich mag) den Tee eines Freundes aus Lu’an zu trinken, dem Gebiet westlich von Hefei. Das war es erst einmal wieder aus meinem Leben.